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Das rote Telefon ringt, das Reanimationsteam rennt!

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Ausschnitt 4

Auf meiner Station hängt im Flur das rote Telefon. Du kannst es dir wie im Film vorstellen. Sobald es irgendwo im Krankenhaus einen Notfall gibt, ruft einer der Gesundheits- und Krankenpfleger viermal die Vier an und das rote Telefon ringt. 4444, das ist bei uns die Nummer für das Reanimationsteam.
„Bei uns“ – das sind mein Team und ich auf der Intensivstation der Asklepios Klinik Wandsbek.
Wir sind über 40 Gesundheits- und Krankenpfleger, Ärzte für internistische Patienten und Ärzte für chirurgische Patienten. Meine Station hat Kapazität für maximal 19 Menschen, die in Lebensgefahr sind und eine intensive medizinische Betreuung benötigen.

Ich habe die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger im März 2015 erfolgreich beendet, und für mich kam nur die Intensivstation in Frage. Ich pflege die unterschiedlichsten Patienten. Ein 21-jähriger, der nach einem Supercrash auf der Autobahn zu uns verlegt wird. Ein Selbstmordversuch mit Medikamentenvergiftung. Ein schwerstkranker Krebspatient.

Es geht nur im Team
Meine Arbeit ist extrem anspruchsvoll und anstrengend. Sie zeigt mir immer wieder meine physischen und auch psychischen Grenzen. Aber ich liebe meine Arbeit. Es gibt eine Menge Gründe, wieso ich diese Arbeit täglich gerne tue: Zuerst einmal ist da das Team. Meine Arbeitskollegen haben mir so viel gezeigt und beigebracht. Wir unterstützen uns gegenseitig. Und wir können gemeinsam lachen, auch – oder vielleicht gerade – wenn die Arbeit nervenzerreißend ist.

Ein weiterer Grund: Ich bin jung, ich brauche das Geld. Verlockend ist auf einer Intensivstation das Gehalt – Gesundheits- und Krankenpfleger verdienen im Durchschnitt nicht schlecht. Es könnte mehr sein. Aber wer sagt das nicht über sein Gehalt?

Mit kühlem Kopf und Hand in Hand mit den Kollegen
Aber einer der wichtigsten Gründe ist, dass es bei uns immer spannend ist. Wir sind das Reanimationsteam: Gibt es irgendwo im Krankenhaus einen Notfall, klingelt besagtes rotes Telefon. Es geht oft um eine Wiederbelebung. Zwei Pflegekräfte und einer der Ärzte rennen mit Notfallequipment los!
Am Telefon werden lediglich die Station und eine knappe Schilderung der Situation gegeben. Was uns tatsächlich erwartet, wissen wir erst vor Ort. Im Patientenzimmer angekommen, verschaffen wir uns zuerst von dem Arzt und Gesundheits- und Krankenpfleger die wichtigsten Informationen über den Patienten. Das, was folgt, ist aufeinander abgestimmt und muss schnell gehen: Vitalzeichen sichern. Die Atmung sichern. Den Kreislauf mittels Monitor beobachten und versuchen zu stabilisieren.

Arzt und Pflegekraft arbeiten Hand in Hand. Notfallmedikamente wie Adrenalin werden vom Arzt angeordnet und von den Pflegern vorbereitet und verabreicht. Es ist wichtig, einen klaren Kopf zu behalten, auch wenn es hektisch wird. Auch wenn der Patient eventuell im Sterben liegt. Es ist wichtig, strukturiert und sicher zu arbeiten. Erfolglose Reanimationen können psychisch sehr belastend sein. Daher ist die Kommunikation zwischen Kollegen essentiell. Wir achten aufeinander und reden im Nachhinein ganz offen über alles. Das entlastet enorm.

Wie man mit dem Tod zurechtkommt

Es kommt vor, dass man das Ableben von Patienten mit nach Hause nimmt. Es ist eine tragische Extremsituation. In der Ausbildung und im Beruf eignet sich jeder seine persönlichen Methoden an, um mit diesen Ereignissen richtig umzugehen. Darauf wird in der Ausbildung sehr viel Wert gelegt.

Es gibt auch erfolgreiche Reanimationen. Wir haben oft Notfälle sehr gut gemeistert. Ist der Patient wieder außer Lebensgefahr, wird er auf der Intensivstation weiterbehandelt. Und es ist eines der schönsten Erlebnisse, diese Menschen dabei zu begleiten, wieder gesund zu werden. Der Patient selbst und seine Angehörigen durchleiden eine Lebenskrise. Wir als Pflegekräfte helfen ihnen, diese zu überstehen. Die Dankbarkeit der Patienten bei ihrer Entlassung erfüllt mich immer wieder mit Freude. Diese Momente führen mir den Wert und Sinn meiner Arbeit vor Augen. Sie liefern mir den Grund, wieso ich die Arbeit als Gesundheits- und Krankenpfleger auf der Intensivstation täglich gerne ausübe und liebe.

Foto: Farshid Ahmadi

 

Farshid Ahmadi

(Jahrgang 1991) arbeitet auf der Intensivstation der Asklepios Klinik Wandsbek. Farshid hat in seinem Leben ganz klare Prioritäten. Erklärtes Ziel: Zwei Mal im Jahr eine große Reise. Dafür verzichtet Farshid auch gern auf ständig neue Klamotten oder eine teure Wohnung, spart beim Ausgehen und bei anderen Anschaffungen. Er will die Welt sehen. Seine bisher weiteste Reise: Im vergangenen Jahr war er mit seinem Bruder und seinem besten Freund in Thailand.


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