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Ein ganz normaler Arbeitstag als Stationsleitung in der Psychiatrie – Teil I

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Teil I: Ein Morgen wie kein anderer – und doch Alltag

Auf meiner Station werden junge Erwachsene mit Persönlichkeits- und Traumafolgestörungen psychotherapeutisch betreut. Was haben wir in der Pflege da zu tun? Das ist für Außenstehende schwerer vorstellbar als in den somatischen Bereichen. Beinbruch ist Beinbruch, da ist die pflegerische Versorgung der Verletzung klar. Aber wie ist das mit den seelischen Verletzungen?

In der Pflege, egal ob in der Somatik oder in der Psychiatrie, ist kein Tag wie der andere. Wie ein Tag des Pflegepersonals in der Psychiatrie, wie mein Tag als Stationsleitung aussehen kann, ist im Folgenden zu lesen.

08.03 Uhr

Mist! Ich hetze die Treppen rauf. Um 8 Uhr soll ich auf Station sein, zu spät. Das geht ja gut los. Zum Glück wartet kein Nachtdienst auf mich, der nach Hause ins Bett möchte, denn der Frühdienst bei uns ist schon seit 6 Uhr auf Station, die zweite Kollegin kam um 7 Uhr.

08.05 Uhr

Auf dem Weg ins Dienstzimmer, im Klinikneudeutsch „Pflege-Stützpunkt“, werfe ich einen  Blick in den Speiseraum. Die Patienten sitzen beim gemeinsamen Frühstück, auch das hat der Frühdienst schon erledigt. Das erste Mal „Guten Morgen!“ sagen.

08.10 Uhr

Heute sind wir zum Glück ausreichend besetzt. Die für die tagesklinischen Patienten zuständige Kollegin hat ihren Dienst gemeinsam mit mir begonnen. Die beiden Frühdienstkollegen teilen uns die wichtigsten Informationen der Nacht mit. Eine tagesklinische Patientin hat im Nachtdienst angerufen, um mitzuteilen, dass sie jetzt ausreichend Medikamente gesammelt habe, um sich das Leben zu nehmen. Sie wolle heute aber noch in die Klinik kommen und sich danach suizidieren. In diesem Fall sprechen wir von „Agieren“, der Patientin geht es wirklich schlecht. Sie versucht uns das mit dem Wunsch zu sterben mitzuteilen, dass sie das tatsächlich tut, ist unwahrscheinlich. Zur Abklärung entschließen wir uns, sie dem Chefarzt vorzustellen, der glücklicherweise heute ab 9 Uhr bei uns eine Visite bei ausgewählten Patienten durchführt.

08.15 Uhr

Der Frühdienst geht zur Frühstückspause. Ich bediene während dessen das Telefon, teile Medikamente an Patienten aus, bin ansprechbar für die Anliegen der Patienten, messe Vitalzeichen und packe alle Unterlagen für die anstehende Übergabe zusammen. Meine Kollegin nimmt während dessen eine neue Patientin auf und begrüßt die anderen tagesklinischen Patienten, die ihren Therapietag bei uns um 8 Uhr beginnen.

08.45 Uhr

Heute ist Chefarztvisite, und wir Pflegekräfte besprechen das Wichtigste der vergangenen Nacht in 30 Minuten. Sonst nehmen wir uns mehr Zeit. Ich begleite währenddessen das Abräumen des Frühstücks mit zwei Patientinnen. Wir legen großen Wert darauf, dass die Patienten bei uns ihre Sozialkompetenz verbessern und ganz selbstverständliche Dinge wie die Vor- und Nachbereitung von Mahlzeiten lernen.

09.15 Uhr

Ich sitze in der Chefarztvisite und nicht an meinem Schreibtisch, an dem ich eigentlich längst sitzen wollte. Aber eine Patientin, deren Therapeut krank ist, soll vorgestellt werden. Ich bin ihre Bezugspflegekraft und habe deshalb den besten Einblick. Bevor wir die Patientin dazu bitten, soll ich den Fall vorstellen.

09.20 Uhr

Die Patientin kommt dazu, und es geht um die Frage, wie lange sie bei uns behandelt werden soll, welche Themen im Mittelpunkt stehen und warum die Patienten schon mehrere Therapieaufenthalte bei uns nicht durchgehalten hat. Dabei kommen sehr persönliche Details zur Sprache. Die Patientin weint und ihre Verzweiflung erfüllt den Raum, sodass auch wir sie spüren. Es herrscht eine bleierne Schwere. Wir treffen klare Absprachen mit der Patientin. Hinterher besprechen wir unter uns den Verlauf des Gesprächs nach.

09.45 Uhr

Inzwischen sitze ich an meinem Schreibtisch und muss erst mal sichten, was für heute auf meiner To-Do-Liste steht.

Was am Vormittag passiert, ist in meinem nächsten Blogbeitrag zu lesen.

Foto: Asklepios

Katharina Voß

(Jahrgang 1983) ist Unterrichtsassistentin im Bildungszentrum für Gesundheitsberufe der Asklepios Kliniken Hamburg. Sie lebt mit ihrem Sohn in Hamburg. Katharinas Leidenschaft ist das Laufen, mehrmals pro Woche trainiert sie. Katharina tritt auch bei Amateurwettkämpfen an, unter anderem beim B2Run, dem Asklepios Firmenlauf. Beim Laufen kann Katharina die Anstrengungen der Arbeit hinter sich lassen und abschalten. Mit ihrem Sohn hat sie das Skifahren für sich entdeckt. Die Abfahrten im Salzburger Land in Österreich begeistern Mutter und Sohn so sehr, dass sie jedes Jahr wiederkommen. Die gemeinsamen Skiferien im März haben einen festen Platz in der Urlaubsplanung.


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