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Pflegekräfte mit Rollator – die kommende Realität?

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Male nurse pushing stretcher gurney bed in hospital corridor with doctors & senior female patient

Die Lebenserwartung in unserem Land steigt. Wir werden alle im Schnitt länger leben, als die Generationen vor uns. Gleichzeitig bekommen Familien in Deutschland seit Jahrzehnten immer weniger Kinder. Deutschland schrumpft. Das bedeutet: Auf immer mehr ältere, pflegebedürftige Menschen kommen immer weniger junge, die diese Pflege leisten beziehungsweise finanzieren können.

Soziale Berufe überaltern

Dieses Problem ist heute schon abzusehen und wird sich mit den Jahren massiv verstärken. Für meine Berufsgruppe, die Gesundheits- und Krankenpfleger, bedeutet das, dass im Jahr 2035 die Mitarbeiter über 50 Jahre das Rückgrat im Gesundheitswesen bilden werden – in einem Beruf, der maximale Anforderungen an Körper und Psyche stellt. Einige Jahre später werden sehr viele Pflegekräfte wohl einen Rollator brauchen, um noch andere Menschen pflegen zu können… Eine gruselige und unrealistische Vorstellung, statistisch gesehen aber kommende Realität.

Fehlender Nachwuchs, schlechtes Image

Neben der Tatsache, dass immer weniger junge Menschen sich für soziale Berufe wie etwa die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger entscheiden, bleiben viele auch nicht lange in dem Job. Das wurde in verschiedenen Studien dramatisch belegt (siehe Next-Studie). Für uns als Pflegekräfte ist dies eine wirklich bedrohliche Situation, mit der wir uns in der Zukunft intensiv befassen müssen.

Die Arbeitsdichte und Arbeitsbelastung bleibt hoch

Der weiter zunehmende Kostendruck im Gesundheitswesen und gerade im Krankenhausumfeld, wird weiterhin zu massiven Arbeitsverdichtungen führen. In der Praxis fragen wir uns heute schon: Was soll da noch verdichtet werden? Schon heute könnte man mit dem Druck Diamanten pressen!

Die Kostenträger wiederum haben gar nicht das Bestreben, mehr Geld oder Ressourcen für gute Pflege und Personal zur Verfügung zu stellen. Wie soll das auch der schrumpfenden Menge junger Versicherter erklärt werden? Die Frage der Gerechtigkeit muss hier zugelassen werden.

Wir müssen uns Gedanken machen

Asklepios, als einer der größten Arbeitgeber in Hamburg, hat sich nun entschieden, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen. Als Mitarbeiter und Pflegekraft freut mich dies sehr!

Kollegen aus verschiedenen Hamburger Kliniken beschäftigen sich in einer Projektgruppe intensiv mit den Herausforderungen. Ziel ist es, Werkzeuge zu entwickeln, die es ermöglichen, auch im Alter leistungsfähig und gesund zu bleiben. Mein Haus, das AK-Barmbek, ist für dieses Projekt das Pilothaus. Die von den Kollegen entwickelten Konzepte und Ideen sollen hier getestet werden.

Der Anfang des Projekts

Zu Beginn wurden verschiedene Daten erhoben und die unterschiedlichen Handlungsfelder herausgearbeitet. Es zeigte sich, dass ganz unterschiedliche Puzzleteile für ein gesundes Älterwerden im Pflegeberuf notwendig sein werden.

Wie müssen die Arbeitsplätze gestaltet werden? Welche Hilfsmittel brauchen wir? Wie und wo können die alternden Pflegekräfte sinnvoll und für alle Beteiligten gewinnbringend eingesetzt werden? Wie muss sich eine Unternehmenskultur für älter werdendes Personal entwickeln? Welche Schichtdienst-Konzepte sind für ältere Mitarbeiter geeignet und realistisch?

Aber auch die nachrückenden Kollegen spielen eine große Rolle. Bekommen wir Nachwuchs? Wie können wir den Beruf attraktiver gestalten, Menschen für den Pflegeberuf begeistern? Wie schützen wir auch die jungen Kollegen vor Überlastung? Wie halten wir Pflegekräfte im Beruf? Werden Generationskonflikte eine Rolle spielen? Wie schaffen wir eine gerechte Arbeitsteilung zwischen Jung und Alt?

Ziel ist die Entwicklung, punktuelle Erprobung und anschließende Überprüfung von Maßnahmen, die bei der Beantwortung dieser Fragen helfen.

Große Herausforderungen liegen vor uns

Auch die Projektgruppe hier bei Asklepios wird die Probleme nicht im Alleingang lösen können. Qualifiziertes und engagiertes Personal ist der Schlüssel zum Erfolg – ganz unabhängig vom Alter.

Zukünftig wird ein erbitterter Kampf um gutes Pflegepersonal folgen. Die Einrichtungen mit den besten Konzepten und dem besten Gesamtpakt aus Bezahlung, Arbeitsbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten für die Mitarbeiter werden überleben. Asklepios sieht die Chancen und Risiken und positioniert sich entsprechend.

Wir können die Herausforderungen nur meistern, wenn alle Beteiligten im Gesundheitssystem die Dringlichkeit erkennen und gemeinsam Konzepte und Finanzierungsmodelle entwickeln. Mein Arbeitgeber und die engagierte Projektgruppe haben hier die ersten Schritte gemacht. Ein weiter Weg liegt aber noch vor uns.

Foto: Fotolia / spotmatikphoto

Marc Alexander Noll

(Jahrgang 1981) ist Stationsleiter der Internistischen Intensivstation der Asklepios Klinik Barmbek. Er ist verheiratet und hat einen Sohn. Marc hat ein Faible für unnötiges technisches Spielzeug, wie er selbst sagt. Bei Computern und Handys ziehen ihn die neuesten Modelle magisch an. Sport steht täglich auf Marcs Programm. Er geht Joggen, am liebsten im Jenfelder Moor, oft aber auch einfach vor der Haustür. Neuerdings macht er Karate – als Ausgleich und zum Abreagieren. Auch seinen Sohn konnte er für die asiatische Kampfkunst begeistern. Wunderbar abschalten kann Marc auch mit der Gitarre in der Hand. Er spielt in einer Band, mit der er regelmäßig auftritt.


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Wir pflegen Hamburg! Denn mit rund 738.000 Patienten sind die Asklepios Kliniken Hamburg das größte Gesundheitsunternehmen in der Hansestadt. Knapp 6000 Pflegekräfte sind rund um die Uhr im Einsatz. Hier erzählen sechs von ihnen aus ihrem Alltag. Wie sie arbeiten und was sie bewegt, lesen Sie hier.

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