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Qualitätssicherung – klingt sperrig, ist aber spannend!

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Die Pflege und Betreuung von Patienten ist die Kernaufgabe von Gesundheits- und Krankenpflegern. Damit aber die Behandlung der Patienten das größtmögliche Outcome erzielt, ist eine weitere wichtige Aufgabe des beruflichen Alltags die Qualitätssicherung.

Mit Menschen, nicht mit Papier arbeiten?

Früher habe ich immer ein bisschen genervt geguckt, wenn meine Stationsleitung oder auch die Pflegedienstleitung mit dem Begriff Qualitätsmanagement (QM) um die Ecke kam. Es wurden dann Aufgaben verteilt wie Dokumente lenken, Checklisten führen, Prozesse beschreiben und Pflegestandards aktualisieren. So viel Arbeit, für die eigentlich keine Zeit war. Und außerdem wollte ich mich lieber um meine Patienten kümmern. Die spontane Reaktion vieler meiner Kollegen fiel ähnlich aus: „Hätte ich am Schreibtisch sitzen wollen, wäre ich Bürokauffrau geworden. Ich möchte mit Menschen arbeiten und nicht mit Papier:“  Zumal doch alles recht gut lief. Warum alles noch zeitaufwändig aufschreiben, wenn jeder seine Arbeit ja irgendwie gemacht hat?

Wir bekamen dann eine Liste an die Hand, was bis zum Audit alles erledigt sein musste, damit man das Qualitätszertifikat bekommt. Beim Audit wird untersucht, ob die geforderten Standards erfüllt sind. Ich hatte damals immer ein wenig das Gefühl, wir schummeln für die Auditoren eine hübsche Scheinwelt zurecht und wenn das Zertifizierungsverfahren abgeschlossen ist, interessiert es keinen mehr.

Wie die Arbeitsrunden den Alltag verbessern

So saß ich 2007 das erste Mal mürrisch in einer Arbeitsgruppe der Qualitätsmanagement-Beauftragten meines damaligen Arbeitgebers, abgestellt durch meine Stationsleitung. Am Anfang fand ich es schwer, mich diesen Themen zu öffnen. Aber als ich merkte, dass der Austausch in dieser Arbeitsgruppe dazu führte, dass wir unsere Arbeitsabläufe an den Schnittstellen zu anderen Stationen besser organisieren und auch Dokumente zugeschnitten auf unsere Bedarfe verändern konnten, war ich meiner Stationsleitung nicht mehr so böse. Im Gegenteil: Ich war sogar dankbar.

Je mehr meine Stationsleitung mich in diese Aufgaben einband, desto mehr erkannte ich den Benefit, der entstand. Oft ärgerte ich mich über Abläufe, die nicht funktionierten oder sich endlos in die Länge zogen, weil sie jemand von oben vorgab, der gar keine Ahnung hatte, was wir „an der Front“ brauchen. Indem meine Kollegen und ich in die Themen der Qualitätssicherung einbezogen wurden, konnten wir Einfluss nehmen und darüber unsere Prozesse besser organisieren.

Nicht für ein Zertifikat, sondern für die tägliche Arbeit

Mein Empfinden, unser Alltag würde für ein Audit gepimpt, veränderte sich. Ich erkannte, dass wir durch unsere QM-Treffen die Veränderungsprozesse, die sich ja ohnehin nicht aufhalten ließen, kontinuierlich mitgestalten und verbessern konnten. Und zwar nicht für die Auditoren oder ein Zertifikat, sondern für uns und unsere tägliche Arbeit.

In der Asklepios Klinik Altona befinden wir uns aktuell in einem Zertifizierungsverfahren nach der DIN EN ISO, also nach den Vorgaben einer ISO-Norm. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Vor kurzem hatten unsere Qualitätsmanagerin und ich ein Treffen mit den QM-Beauftragten der Pflege. Ein Auftakt für eine produktive Zusammenarbeit in Richtung Qualitätszertifikat und damit in Richtung Verbesserung unserer gemeinsamen Arbeitsprozesse.

Wenn wir also in diesem Blog das Berufsbild des Gesundheits- und Krankenpflegers betrachten, müssen wir festhalten, dass das Tätigkeitsfeld deutlich weitreichender ist, als es auf den ersten Blick erscheint. Und dass die Arbeit auf Papier auch den Menschen dienen kann.

Foto: Fotolia / rocketclips

Svenja Horn

(Jahrgang 1984) ist Pflegekoordinatorin in der Asklepios Klinik Altona. Dafür hat die ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegerin noch ein Studium in Pflegeentwicklung und -management aufgesattelt. Sie ist vor allem für fachliche Fragen zuständig, kümmert sich um die Fortbildungsplanung und um das gesamte Thema der Pflegedokumentation. An den Sommer-Wochenenden kann man Svenja nicht in Hamburg antreffen. Denn die verbringt sie mit ihrem Freund im Wohnmobil an der See, in Sankt-Peter-Ording oder auf Fehmarn zum Beispiel. An Land hält sie nichts: Svenja geht Wellenreiten, ihr Freund Kite-Surfen. Im Januar finden die beiden die ideale Kombi aus Wind und Wellen für ihren Wassersport in Kapstadt. Svenjas Plan für 2016: ein eigenes Surfbaord.


Kommentare

2
  • JuliusK

    Stimme dem Artikel zu. Zudem möchte ich sagen, dass vor allem im Umgang mit Menschen bzw. deren Gesundheit betreffend eine sorgfältige QM-Beratung unerlässlich ist. Deswegen sollte man sich nicht vor diesem Begriff fürchten sondern damit ernsthaft beschäftigen.

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Wir pflegen Hamburg! Denn mit rund 738.000 Patienten sind die Asklepios Kliniken Hamburg das größte Gesundheitsunternehmen in der Hansestadt. Knapp 6000 Pflegekräfte sind rund um die Uhr im Einsatz. Hier erzählen sechs von ihnen aus ihrem Alltag. Wie sie arbeiten und was sie bewegt, lesen Sie hier.

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