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Sucht – eine üble Erkrankung

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Die psychische und physische Abhängigkeit von einem Stoff gehört zu den schrecklichsten Krankheiten. Meistens sind es körperschädliche Stoffe wie Nikotin oder Alkohol, von denen Menschen abhängig sind. Sehr viele Menschen in unserer Gesellschaft haben eine Sucht oder gar mehrere. Jedoch kommt der größte Teil von ihnen damit zurecht, ist sich der Gefahr bewusst und behält die Kontrolle.

Doch viele schaffen dies nicht. Die Sucht vergiftet vielen Mitmenschen das ganze Leben, verseucht das Denken, zerfrisst und zerstört die Gesundheit. Im schlimmsten Fall kostet sie das Leben. Solche Schicksale erlebe ich als Gesundheits- und Krankenpfleger leider viel zu häufig.

Das Leben von Frau K.

Ein Beispiel dafür ist Frau K. Sie ist bei uns Pflegekräften bekannt. Denn sie wurde schon häufiger wegen Multiorganversagen, Bewusstseinsstörungen und psychischen Erkrankungen ins Krankenhaus eingeliefert.

Sie liegt motivationslos im Krankenbett. Die Bettgitter sind oben, da sie sehr unruhig ist und die Gefahr groß ist, dass sie aus dem Bett stürzt. Sie ist unkooperativ, wirft lauthals mit Beleidigungen um sich. Hauptdiagnose: C2 Abusus, immer wiederkehrender Missbrauch von Alkohol.

Einige der häufig geäußerten Ansichten: „Alle Therapien der Welt können ihr nicht mehr helfen“, „sie ist ein Alki“ und „sie ist selber schuld“. So kommt es, dass diese Patienten oft nicht die gleiche Zuwendung wie andere erhalten. Die Sucht ist Ursache für Wesensveränderungen bei den Erkrankten. Und um mit diesen erkrankungsbildtypischen Charaktereigenschaften richtig umzugehen, benötigt man viel Zeit – die das Krankenhauspersonal nicht hat. Und wenn eine Pflegekraft mal fünf Minuten erübrigen kann, widmet sie sich häufig der lieben, netten Oma, anstatt die nach Urin und Stuhl riechende Frau K. zur Körperpflege zu zwingen.

Und selbst der Versuch endet manches Mal erfolglos: Auch die liebste Krankenschwester, die gefühlvoll und voller Empathie versucht hat, Frau K. etwas Gutes zu tun, musste nach unzähligen, zeitaufwändigen Versuchen gefrustet aufgeben.

Die Sucht verseucht mehrere Leben

Alkohol zerstört die Funktion der Organe, vor allem die der Leber. Frau K. leidet an Multiorganversagen. Sie hat eine gelbe Hautfarbe und riecht sehr unangenehm. Eine adäquate Kommunikation ist nicht mehr möglich aufgrund der bereits geschädigten Hirnfunktionen. Sie schlägt um sich, wenn die Pflegekräfte das Bett von Stuhl und Urin befreien wollen, bevor die Angehörigen kommen.

Selbstverständlich achten wir Gesundheits- und Krankenpfleger auch auf die unausgesprochenen Wünsche der Patientin. Frau K. würde bestimmt nicht wollen, dass ihre Angehörigen sie verwahrlost und ungepflegt antreffen. Außerdem gehen wir davon aus, dass eine gepflegte Erscheinung der Patientin die Hoffnung der Angehörigen stärkt und diese zur Mithilfe bei der Therapie motiviert.

Wie es mit Frau K. weitergeht, erzählt Farshid in seinem nächsten Blog.

Foto: Fotolia / Robert Przybysz

Farshid Ahmadi

(Jahrgang 1991) arbeitet auf der Intensivstation der Asklepios Klinik Wandsbek. Farshid hat in seinem Leben ganz klare Prioritäten. Erklärtes Ziel: Zwei Mal im Jahr eine große Reise. Dafür verzichtet Farshid auch gern auf ständig neue Klamotten oder eine teure Wohnung, spart beim Ausgehen und bei anderen Anschaffungen. Er will die Welt sehen. Seine bisher weiteste Reise: Im vergangenen Jahr war er mit seinem Bruder und seinem besten Freund in Thailand.


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