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Terror, Katastrophen und technische Störungen

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Im Katastrophenfall sind die Krankenhäuser gefragt. Unfälle in der Luftfahrt, Bahn- und Busunglücke, Terroranschläge, Unfälle bei Großveranstaltungen, Naturkatastrophen oder technische Störungen zum Beispiel in der Strom- und Wasserversorgung und vieles mehr – unsere Infrastruktur muss für alle erdenklichen Fälle gerüstet sein.

Die Krankenhäuser spielen eine große Rolle

Als Krankenhaus-Mitarbeiter müssen wir den Umgang mit solchen Ereignissen üben. Dabei arbeiten wir meist eng mit den Kollegen der Feuerwehr zusammen. Nur durch solche Übungen können wir sicherstellen, dass das Zusammenspiel im Ernstfall auch funktioniert. Die Gesundheitsbehörde wird niemals müde, uns ganz unterschiedliche und spannende Szenarien zu liefern, an denen wir uns messen müssen.

In meiner Karriere als Gesundheits- und Krankenpfleger habe ich nun schon mehrere dieser Katastrophen- und Notfallübungen in ganz unterschiedlichen Bereichen, Krankenhäusern und Positionen erlebt.

Wenn das Unvorstellbare passiert

Ich war vor vielen Jahren mit meiner Frau in der Hamburger Innenstadt unterwegs, als mein Handy klingelte und eine automatische Ansage folgte: Ich solle sofort in die Klinik kommen, es habe einen Großunfall gegeben und es werde mit einer großen Anzahl von Verletzten gerechnet. Es handle sich um eine Übung. Per Tastendruck musste ich bestätigen, ob und wann ich kommen kann.

Ich fuhr sofort in die Klinik und meldete mich in der eingerichteten Personalsammelstelle. Als Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin wurde ich gleich in die rote Behandlungskategorie (sogenannte kritisch Verletzte) eingeteilt und in die Notaufnahme geschickt. Zusammen mit einer weiteren Arbeitskraft und einem Arzt bildeten wir eine Behandlungseinheit.

Unsere Aufgabe: Patienten in kritischem Zustand in Empfang nehmen, erstversorgen und stabilisieren und dann in den „Behandlungsbereich Rot“ bringen.

Szenen wie in einem Hollywoodfilm

Nach kurzer Zeit wurden wir zum Eingang geholt. Es war schon dunkel geworden. Mit meiner Gruppe trat ich aus dem warmen und hellen Krankenhaus nach draußen.

Es war ein bisschen wie in einem Actionfilm. Da standen wir in der kalten und feuchten Herbstluft. Dutzende „Verletzte“ – entsprechend geschminkte Personen – bewegten sich um uns. Dazwischen Krankenhauspersonal und Mitarbeiter der Feuerwehr. Es war laut. Es wurde geredet, geschrien. Die Schauspieler, meist Studenten, jammerten und weinten. Sie lieferten eine tolle und ziemlich realistische Show.

Der Rettungsbus der Feuerwehr stand vor dem Haus und „Verletzte“ strömten aus ihm heraus. Dazu mehrere Rettungswägen kreuz und quer vor der Klinik. Überall Tragen und Rollstühle. Die Blaulichter sorgten für die Beleuchtung des gesamten Vorplatzes, die Lichter spiegelten sich in kleinen Pfützen auf dem Boden.

Rot zu rot, gelb zu gelb, grün zu grün

Ärzte führten die erste Sichtung durch und teilten die „Verletzten“ nach Dringlichkeit ein. Wir bekamen einen „kritischen“ und deshalb rot gekennzeichneten Patienten zugeteilt. Wir versorgten und stabilisierten ihn und brachten ihn in den vorgesehenen Behandlungsbereich.

Wenngleich alle Beteiligten ja wussten, dass es eine Übung war, fühlte es sich verdammt echt an! Es war nicht lustig oder spielerisch. Ich war wirklich angespannt und konzentriert. Es war ein unglaublich spannender und erlebnisreicher Abend. Und die nachfolgenden Übungen in den folgenden Jahren waren nicht minder spannend.

Prüfung für die Einsatzleitung

Erst vor kurzem nahm ich wieder an einer Übung teil – dieses Mal als Teil der Krankenhaus-Einsatzleitung. Es war keine Komplettübung, die das ganze Krankenhaus einbezieht, sondern eine kleine Übung. Nur die Einsatzleitung des Krankenhauses sollte geprüft werden. Sie tritt bei einem Zwischenfall zusammen und koordiniert den Ablauf.

In dem gestellten Szenario ging es um eine schwerwiegende technische Störung im Krankenhaus. In einer großen, nach Zuständigkeiten geteilten Gruppe, bearbeiteten und koordinierten wir die durchzuführenden Maßnahmen. Schwerpunkt war die Übersicht über die Gesamtsituation, die korrekte Bewertung und die Einleitung angemessener Reaktionen. Welche Optionen haben wir? Wie lange wird die Störung andauern? Können wir sie kurzfristig lösen?

Der erfolgreiche Versuch, Stress zu erzeugen

Im Nachbarzimmer saßen Mitarbeiter der Behörde und bombardierten uns mit Telefonaten und neuen Informationen. In unserem Raum wurden unsere Kommunikation und unsere Reaktionen genauestens dokumentiert.

Im Nachhinein ist es wirklich beeindruckend, wie echt sich auch diese Situation anfühlte. Ich stand unter Strom, wenn mehrere wichtige Informationen gleichzeitig eintrafen und ich filtern musste, was nun die höchste Priorität hat. Arbeite ich meine aktuelle Tätigkeit ab, oder unterbreche ich diese und kümmere mich um die neue Information?

Man kommuniziert, man delegiert, notiert sich Dinge und überprüft seine Dokumentation. Immer wieder bekam man Bruchstücke der anderen Gespräche mit, ehe man sich wieder auf seine Tätigkeit konzentrierte. Immer wieder gemeinsame Lagebesprechungen. Nach etwa zwei bis drei Stunden wurde die Übung beendet.

Nur wer übt, kann im Ernstfall handeln

Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass wir als Hamburger Krankenhäuser auf den Ernstfall vorbereitet sind! Natürlich besteht ein Unterschied zwischen Realität und Übung. Und es bleibt zu hoffen, dass wir unsere Krisenpläne niemals wirklich brauchen werden. Aber ohne die Übungen wären wir im Katastrophenfall wohl aufgeschmissen.

Foto: Fotolia / Thaut Images

Marc Alexander Noll

(Jahrgang 1981) ist Stationsleiter der Internistischen Intensivstation der Asklepios Klinik Barmbek. Er ist verheiratet und hat einen Sohn. Marc hat ein Faible für unnötiges technisches Spielzeug, wie er selbst sagt. Bei Computern und Handys ziehen ihn die neuesten Modelle magisch an. Sport steht täglich auf Marcs Programm. Er geht Joggen, am liebsten im Jenfelder Moor, oft aber auch einfach vor der Haustür. Neuerdings macht er Karate – als Ausgleich und zum Abreagieren. Auch seinen Sohn konnte er für die asiatische Kampfkunst begeistern. Wunderbar abschalten kann Marc auch mit der Gitarre in der Hand. Er spielt in einer Band, mit der er regelmäßig auftritt.


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