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Von der Praxis in die Theorie: Dem Beruf ein besseres Ansehen erkämpfen

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Im Pflegeberuf entstehen jeden Tag andere interessante Situationen. Manche sind auch skurril. Und natürlich ist der Schichtdienst manchmal lästig. Dennoch: Die Gewissheit, meinen Patienten in ihrer persönlichen Lebenslage zu helfen, war immer ein sehr gutes Gefühl. Obendrein ist der medizinische Hintergrund absolut spannend. Und auch der Schichtdienst bietet seine Vorteile: Freie Tage in der Woche. Kurzurlaube durch vier oder fünf freie Tage am Stück, ohne Urlaub nehmen zu müssen. Ausschlafen vor dem Spätdienst. Früher Feierabend nach dem Frühdienst, im Sommer am Elbstrand liegen, wenn andere noch im Büro schwitzen. Alles Gründe, warum ich den Pflegeberuf immer weiterempfehlen würde. In meiner jetzigen Position genieße ich diese Vorteile nicht mehr.

Nachdem ich vier Jahre auf einer allgemeinchirurgischen Station, weitere drei Jahre auf einer interdisziplinären und ein Jahr auf einer neurologischen Intensivstation als Pflegekraft arbeitete, begann ich ein Studium in Pflegeentwicklung und Management.

Neuer Blickwinkel im Studium

Vor meinem Studium dachte ich, die Pflegewissenschaft sei völlig uninteressant. Im beruflichen Alltag übernahm ich schnell die Meinung meiner erfahrenen Kollegen: Wissenschaft ist in der Pflege nicht praxistauglich. Während meines Studiums wurde mir jedoch ein anderer Blickwinkel geboten. Ich erkannte schon im ersten Semester, dass die Pflegewissenschaft sehr interessant und ein wichtiger Bestandteil in der praktischen Pflege ist. Sie wird nur einfach in Deutschland nicht gelebt. In anderen Ländern hingegen funktioniert der gegenseitige Transfer von Wissenschaft und Praxis sehr gut.

Nach meinem erfolgreichen Bachelor-Abschluss stand schließlich die Frage an, in welche Richtung ich meine Karriere entwickeln möchte. Viele verschiedene Möglichkeiten standen zur Auswahl. Ich entschied mich vorerst gegen die berufliche Laufbahn in der Pflegeforschung und Pflegeentwicklung. Der Grund war einfach: der Patient. Ich befürchtete, dass mir die Arbeit in der direkten Patientenversorgung zu sehr fehlen würde.

Deshalb entschied ich mich für das Arbeitsfeld Pflegemanagement. Ich übernahm eine Stelle als Stationsleitung einer interdisziplinären Intensivstation. Die Kombination von Führungsaufgaben und Patientenbetreuung war für mich eine gute Chance des beruflichen Neustarts. Für mich war es in dieser Position weiterhin möglich, in einem bestimmten Umfang direkten Kontakt zu den Patienten zu haben.

Wechsel in die Pflegeentwicklung

Schon nach einem Jahr in dieser Position hatte ich bereits das Glück, einen weiteren Schritt auf der Karriereleiter machen zu können. Ich konnte im Bewerbungsverfahren für die Stelle der Pflegekoordinatorin in der Asklepios Klinik Altona (AKA) überzeugen. Nun arbeite ich in der Pflegeentwicklung. Darüber hinaus bekomme ich viele Einblicke in die Personalführung.

Ich habe ein sehr lebhaftes Aufgabenfeld in meiner neuen Position. Auch wenn ich jetzt nicht mehr mit der Pflege am Patientenbett betraut bin, begeistert mich meine neue Position. Besonders die Moderation von Workshops und Arbeitsgruppen, in denen ich gemeinsam mit den Fachexperten aus der direkten Pflege die pflegefachlichen Themen in der Klinik voranbringen kann, machen mir Spaß. Hier habe ich die Möglichkeit, Pflegewissenschaft in die Praxis zu transferieren. Ich erhoffe mir, durch meine Arbeit zusammen mit all den tollen, engagierten Gesundheits- und Krankenpflegern einen kleinen Teil dazu beitragen zu können, der Pflege in Deutschland ein besseres Ansehen zu verleihen. Dieser Beruf ist es nämlich wert!

Foto: Fotolia / Syda Productions

Svenja Horn

(Jahrgang 1984) ist Pflegekoordinatorin in der Asklepios Klinik Altona. Dafür hat die ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegerin noch ein Studium in Pflegeentwicklung und -management aufgesattelt. Sie ist vor allem für fachliche Fragen zuständig, kümmert sich um die Fortbildungsplanung und um das gesamte Thema der Pflegedokumentation. An den Sommer-Wochenenden kann man Svenja nicht in Hamburg antreffen. Denn die verbringt sie mit ihrem Freund im Wohnmobil an der See, in Sankt-Peter-Ording oder auf Fehmarn zum Beispiel. An Land hält sie nichts: Svenja geht Wellenreiten, ihr Freund Kite-Surfen. Im Januar finden die beiden die ideale Kombi aus Wind und Wellen für ihren Wassersport in Kapstadt. Svenjas Plan für 2016: ein eigenes Surfbaord.


Kommentare

2
  • Alex

    Spannend! War mir gar nicht bekannt, dass man Pflege auch studieren kann.

    • Svenja

      Deutschland ist da tatsächlich ein Nachzügler. Super, dass es jetzt auch bei uns immer normaler wird. Karriere im Pflegeberuf ist ne coole Sache!!

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