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Wenn ein Patient stirbt

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prayer - candle in hands

Neulich starb ein Patient, plötzlich und für mich unerwartet in meinem Frühdienst. Fünf Tage lang hatte ich ihn betreut. Ich fragte ihn täglich nach seinem Befinden, versorgte ihn mit den verordneten Infusionen und Medikamenten. Neben den auszuführenden pflegerischen Tätigkeiten sprachen wir über Alltägliches und über seine langjährige Krankengeschichte (weitere und private Details darf ich zum Schutz des Patienten und aus datenrechtlichen Gründen nicht nennen). Im täglichen Kontakt baute sich zwischen dem Patienten und mir eine auf professioneller Ebene basierende Beziehung auf. Als Kranken- und Gesundheitspflegerin kenne ich nach kurzer Zeit die Gewohnheiten der Patienten, die ich betreue. Das gehört für mich zu meinem Beruf.

Als der Patient aufgefunden wurde, wurden sofort wiederbelebende Maßnahmen eingeleitet. In kürzester Zeit erschien das Reanimationsteam der Intensivstation. Trotz intensiver Bemühungen konnte der Patient nicht zurück ins Leben geholt werden.

Der Umgang mit dunklen Gedanken war mit vertraut

Für mich war es die erste Reanimation. Natürlich weiß ich, dass Menschen sterben. Und natürlich tun sie das auch in einem Krankenhaus. In meinem Beruf als Kranken- und Gesundheitspflegerin erlebte ich dies in meiner ehemaligen Abteilung in der Psychosomatik jedoch nie. Patienten sprechen dort über Gedanken an den Tod. Manchmal fühlen sie sich so hilf- und ausweglos, dass für sie der gedankliche Tod die einzige Lösung darstellt. Sie sprechen darüber und können sich so in ihrer Not ein wenig entlasten. Der Umgang mit dieser Art von dunklen Gedanken ist mir beruflich vertraut. Da fühle ich mich sicher und kompetent. Im Fall einer akuten Suizidalität bei einem Patienten, wo tröstende Worte und das gemeinsame Aushalten der Situation nicht mehr ausreichen, greift ein eng gestricktes Netz, das den Patienten sicher hält und vor sich selbst schützt.

Der Tod kam wie ein Blitz

Die Nähe zum Tod war an dem Tag, als der Patient verstarb, eine andere. Der Tod kam wie ein Blitz um die Ecke geschossen und griff gierig nach dem Leben. Ich war emotional unvorbereitet an diesem Tag auf dieses Ereignis bei diesem Patienten. So war ich zum ersten Mal mit einer Situation konfrontiert, die ich bisher nur aus der Theorie, aus dem Reanimationsunterricht kannte. Der Kopf und die Hände funktionierten und taten das, was sie sehr oft geübt und wiederholt hatten. Das Reanimationsteam der Intensivstation traf sehr schnell ein, übernahm die Leitung der Situation und verteilte die Aufgaben an die anwesenden Kranken- und Gesundheitspfleger. Alles lief in einer hektischen, aber konzentrierten Atmosphäre ab.

Während das Intensivteam arbeitet, geht der Alltag weiter

Der stationäre Alltag läuft auch an solchen Tagen weiter. Das Telefon klingelt, Patienten in anderen Zimmern bedienen die Klingel und rufen nach dem Pflegepersonal. Patienten, die zur Aufnahme kommen, erwarten einen kompetenten, freundlichen und ruhigen Empfang. Ich fühlte einen inneren Spagat: den Alltag weiterlaufen zu lassen und in der stationären Parallelwelt dem Intensivteam zuzuarbeiten.

Der Patient verstarb. Und jeder der Anwesenden suchte einen eigenen Umgang mit dem Ereignis. Ich war traurig und brauchte einen kurzen Moment für mich. Die Augen schließen. Einatmen. Ausatmen. Augen wieder öffnen und zurück in das Geschehen auf der Station.

Wenn Menschen in einem Krankenhaus sterben, gibt es eine Reihe von pflegerischen und administrativen Tätigkeiten, die erledigt werden müssen. Neben der ärztlichen Aufgabe, die Angehörigen zu benachrichtigen, erhält der Verstorbene vom Pflegepersonal eine in Achtsamkeit ausgeführte letzte Ganzkörperpflege und andere pflegerische Maßnahmen.

Kann man so ein Erlebnis beiseiteschieben?

Für mich war es ein zutiefst beeindruckendes Erlebnis. Und ich frage mich, wie Menschen damit umgehen, die häufig durch ihre Tätigkeit damit konfrontiert sind. Können die das einfach so beiseiteschieben? Ich fragte an dem Tag jeden anwesenden Kollegen nach seinem Gesprächsbedarf und bot meine Unterstützung bei der Verarbeitung an. Dabei merkte ich, dass unterschiedliche Mechanismen bei den unterschiedlichen Persönlichkeiten greifen und diese schützen.

Mir fiel es schwer, für diesen Blog die passenden Worte zu finden, obgleich es mir ein großes Bedürfnis ist, davon zu berichten und andere daran teilhaben zu lassen. Es ist ein Stück Krankenhausalltag, der die Menschen in ihrem Beruf als Arzt und Kranken- und Gesundheitspfleger emotional berührt und eine innere Auseinandersetzung fordert.

Foto: Fotolia / Romolo Tavani

Britta Sanders

Britta Sanders (Jahrgang 1973) arbeitet im Asklepios Westklinikum als stellvertretende Leiterin einer großen interdisziplinären Station, der Viszeralchirurgie und Gastroenterologie. Diese Position hat sie erst kürzlich übernommen – nach knapp 18 Jahren in der Psychosomatischen Abteilung. Daneben studiert Britta an der Steinbeis Business Academy, um noch in diesem Jahr ihren Bachelor of Business Administration abzuschließen. Sie lebt mit ihren zwei Kindern umgeben von Apfelbäumen auf dem Land. Brittas Lieblingsplatz in allen Lebenslagen, ob in den Ferien oder am Wochenende, ob allein oder mit Kindern ist der Strand von Sankt Peter-Ording. Dort kann sie abschalten vom Alltagsstress. Noch lieber ist sie nur in Schweden. Für dieses skandinavische Land hat Britta eine große Leidenschaft entwickelt – seit sie vor neun Jahren aus Neugier begann, Schwedisch zu lernen. Heute spricht sie die Sprache flüssig, liest schwedische Bücher und Zeitungen und verfolgt, was sich in Schweden tut. Die Geschichten von Astrid Lindgren hat Britta nicht nur ihren Kindern vorgelesen. Sie weiß auch, wie die Sprache der Kinderbuchklassiker im schwedischen Original klingt.


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