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Wie wir gemeinsam für Gesundheit brennen – und wie daraus Licht und Wärme entsteht

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Als Menschen sind wir zu fantastischen Leistungen fähig. In der Arbeitswelt sind dies aber nur sehr selten Einzelleistungen. Meist arbeiten viele Menschen zusammen, um an ein gemeinsames, sonst unerreichbares Ziel zu kommen.

Auch im Krankenhaus sind wir auf diese Art der Zusammenarbeit angewiesen. Im Idealfall arbeiten viele verschiedene Berufsgruppen gemeinsam, um unseren Patienten einen guten Behandlungsverlauf und hoffentlich Heilung zu ermöglichen.

Neben uns Pflegekräften sind Ärzte, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Servicekräfte und viele weitere beteiligt. Auch der große Bereich der Technik und Buchhaltung gehört dazu. Die Liste ließe sich noch erweitern. Nur wenn das Zusammenspiel aller Berufsgruppen funktioniert, ist ein Krankenhaus funktionsfähig und, das ist heute wichtiger denn je, wirtschaftlich zu betreiben.

Auf der Intensivstation

Im Intensivbereich ist die Zusammenarbeit zwischen pflegerischem und ärztlichem Dienst besonders herausfordernd. Würde ich nun schreiben, dass dies immer zielgerichtet und reibungslos läuft, würden meine Kollegen und Mitarbeiter zu Recht den Kopf schütteln. Es ist für beide Seiten nicht immer leicht. Ein bisschen wie in einer Ehe. Gemeinsam erleben wir mal „gute Zeiten“, aber auch „schlechte Zeiten“.

Zu unterschiedlich sind manches Mal die Sichtweisen oder die Prioritäten, die gesetzt werden. Als Pflegekräfte haben wir eine andere Art der Beziehung zu unseren Patienten als die Ärzte. Wir sind sehr eng an ihnen dran. Wir erleben die vielen kleinen Fort- und Rückschritte. Wir entwickeln nach kurzer Zeit ein sehr intensives Gespür für sie und ihre Erkrankung. Ergänzt wird dies nach der Einarbeitung durch die Berufserfahrung und viele Fort- und Weiterbildungen. Im Intensivbereich ist hier beispielsweise die mehrjährige Qualifikation zur Fachpflegekraft für Intensivmedizin zu nennen.

Durch den Kontakt mit den Angehörigen erhalten wir viele weitere wichtige Informationen. Ich würde soweit gehen und behaupten, dass wir als Pflegekräfte im Gegensatz zum ärztlichen Dienst, einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen. Hierzu sind viele Mediziner, auch aufgrund der zunehmenden Spezialisierung, nicht mehr in der Lage. Auch haben viele „alternative“ Sichtweisen sowie kulturelle oder spirituelle Belange in der medizinischen Betrachtung weniger Platz. Die Pflege ist hier vielschichtiger und in weiten Teilen toleranter aufgestellt.

Wenn aus Wärme Feuer wird

Aus diesen unterschiedlichen Arbeitsweisen entstehen natürlich auch Konflikte. Es entstehen Meinungsverschiedenheiten und häufig auch Unzufriedenheit mit ärztlichen Entscheidungen. Nun sind Intensivpflegekräfte nach außen meist ein sehr selbstbewusstes Volk. Ein Großteil scheut sich nicht, mit anderen Professionen in den inhaltlichen Schlagabtausch zu gehen. Natürlich auf rein verbaler Ebene. Dass fachlich qualifizierte und strukturiert arbeitende Pflegekräfte einem beginnenden Jungakademiker in spezifischen Arbeitsthemen meist haushoch überlegen sind, ist sicher nicht überraschend. Der Arzt trägt aber die Verantwortung für seine Anordnungen.

Die Kombination aus allen genannten Faktoren kann ein schönes Feuer entfachen. Wenn es schlecht läuft, auch einen Flächenbrand. Dies stellt Ärzte manches Mal vor eine große Herausforderung. Einige Ärzte zündeln aber leider recht arglos.

Das Schöne an diesem Feuer ist aber, dass es Licht und Wärme spendet. Es schadet nicht, wenn man gewillt ist, mit ihm umzugehen. Pflege ist ein leidenschaftlicher und energetischer Beruf.

Als Stationsleitung brenne ich ebenfalls. Ich liebe meinen Job. Manchmal hasse ich es, dass ich das tue. Aber ich gehöre zur unverbesserlichen Fraktion: „Ich würde es wieder machen…“ Als Stationsleitung muss ich aber natürlich auch mal den Feuerlöscher rausholen.

Gemeinsame Suche nach Lösungen

Somit kann ich den Kreis wieder schließen. Zusammenarbeit. Wenn die Kollegen den Brand nicht schon selber unter Kontrolle gebracht haben – und das ist meistens der Fall, beginnt die Arbeit von uns Führungskräften.

Gemeinsam mit dem Oberarzt oder Chefarzt sprechen wir darüber. Sollte schon die ganze Landschaft brennen, kommen auch unsere Abteilungsleitung, unser Pflegedirektor oder andere beteiligte Fachabteilungen und Professionen dazu. Ich schätze diese Gespräche, ob nun im kleinen oder großen Rahmen. Wir tauschen uns aus. Gemeinsam suchen wir nach Ursachen und Lösungen. Wir vereinbaren gemeinsame Ziele und versuchen, daraus ein stimmiges Konzept zu machen.

Wir schlichten, wir vermitteln und geben unser Bestes, gemeinsam für Licht und Wärme zu sorgen. Das ein oder andere Mal müssen wir auch „klare Worte“ finden. Warum? Weil wir alle gerne zusammenarbeiten wollen. Der Alltag und die extreme Arbeitsdichte machen uns dies zu oft schwer. Auch die hohe emotionale Belastung macht die Zusammenarbeit nicht leichter.

Was uns verbindet

Das, was uns als Berufsgruppen verbindet, ist die Erkenntnis, dass der eine nicht ohne den anderen arbeiten kann. Wenngleich dies mal ein belustigendes Schauspiel wäre…

Wenn ich auf meine Station blicke, ist es erstaunlich und macht mich oft stolz. Wenn die Zusammenarbeit aller Beteiligten rund läuft, ist es wie in einem gut choreografierten Film. Alle denken mit, jeder weiß, was zu tun ist. Dinge sind „zur Hand“, ehe jemand danach gefragt hat. Für alle erdenklichen Situationen ist vorgesorgt und alles läuft ruhig, konzentriert und strukturiert ab. Jeder nimmt eine Rolle in einem harmonischen Miteinander ein. Ja, das klappt tatsächlich meistens.

Wenn es immer so wäre, wäre es aber irgendwie doch langweilig, oder? In manchen Fällen erzeugt Reibung Wärme und Wärme Feuer. Dieses Feuer kann dann Platz für Neues schaffen. So entstehen auch Ideen, die vorher keinen Platz zum Wachsen hatten.

Foto: Fotolia / Syda Productions

Marc Alexander Noll

(Jahrgang 1981) ist Stationsleiter der Internistischen Intensivstation der Asklepios Klinik Barmbek. Er ist verheiratet und hat einen Sohn. Marc hat ein Faible für unnötiges technisches Spielzeug, wie er selbst sagt. Bei Computern und Handys ziehen ihn die neuesten Modelle magisch an. Sport steht täglich auf Marcs Programm. Er geht Joggen, am liebsten im Jenfelder Moor, oft aber auch einfach vor der Haustür. Neuerdings macht er Karate – als Ausgleich und zum Abreagieren. Auch seinen Sohn konnte er für die asiatische Kampfkunst begeistern. Wunderbar abschalten kann Marc auch mit der Gitarre in der Hand. Er spielt in einer Band, mit der er regelmäßig auftritt.


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